Geschrieben am 18. März 2010 von bob. Bisher keine Kommentare.
Haben Sie sich auch schon gefragt, warum manche Blogeinträge, Artikel und Bücher besser sind als andere? Und das, obwohl der vermittelte Inhalt der selbe ist? Mir geht es oft so. Auch bei meinen eigenen Texten frage ich mich regelmässig, warum mir einer besser gelungen ist als ein anderer.
In diesem Artikel werde ich mich damit befassen, was einen Text interessant und lesenswert macht und welche Probleme und Fehler man vermeiden kann.
George Orwell
„Never use a metaphor, simile, or other figure of speech which you are used to seeing in print. Never use a long word where a short one will do. If it is possible to cut a word out, always cut it out. Never use the passive voice where you can use the active. Never use a foreign phrase, a scientific word, or a jargon word if you can think of an everyday English equivalent. Break any of these rules sooner than say anything outright barbarous.“ (George Orwell, aus Wikiquote)
Dieses Zitat stammt von George Orwell und somit aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Schriftsteller hat hier schon einige der wichtigsten Grundlagen für einen guten Text zusammengefasst.
- Benutze niemals eine Metapher, ein Gleichnis, oder eine andere Redewendung, die Du häufig gedruckt siehst.
- Benutze niemals ein langes Wort, wo auch ein kurzes passt.
- Wenn es möglich ist, ein Wort wegzulassen, lass es weg.
- Benutze niemals das Passiv, wo Du auch das Aktiv nutzen kannst.
- Benutze niemals ein Fremdwort, einen wissenschaftlichen oder einen umgangssprachlichen Ausdruck, wenn Dir ebenso ein passendes alltägliches deutsches Wort einfällt.
- Breche lieber jede dieser Regeln als etwas unnatürlich und holprig auszudrücken.
Ich habe meine eigenen Prinzipien für besseres Schreiben unterteilt in die Abschnitte
- Inhalt und Struktur,
- Wortwahl und
- Dynamik.
Abschliessend finden Sie zwei Buchempfehlungen und weiterführende Links.
Inhalt & Struktur
Insbesondere beim Schreiben eines Blogs wollen wir unserem Leser ein Thema nahe bringen, ihn begeistern. Wenn wir Themen wählen, die wir selbst leidenschaftlich verfolgen, kann diese Leidenschaft auch zum Leser überspringen. Schreiben wir dagegen über Dinge, für die uns diese Leidenschaft fehlt, werden die Texte meist farblos und uninteressant. Das passiert dann, wenn wir uns nicht an uns selbst, sondern an den Erwartungen anderer orientieren.
Nachdem wir unser Thema gefunden haben, ist der erste Schritt zu einem guten Text, unsere Leser zu kennen. Im Internet erreichen wir theoretisch Menschen aus allen Kulturen und Schichten. Dennoch schreiben wir einen Text immer für eine Zielgruppe.
Wir wollen unser Publikum mit dem Inhalt erreichen. Deswegen passen wir uns an. Wir schreiben einen Artikel über die Urknall-Theorie in einem Wissenschaftsmagazin anders, als einen für Schüler, der sie in diese Theorie einführt.
Wir müssen den Lesern Anreize geben, unseren Text zu lesen. Der erste und offensichtlichste Anreiz ist die Überschrift. Sie muss eindeutig und interessant sein. Dabei darf sie nur solche Erwartungen wecken, die der Text auch erfüllt. Der zweite Anreiz ist eine Einleitung aus einigen Sätzen, mit denen wir den Leser einführen. Wir zeigen, was ihn im Text erwartet und warum der Text interessant ist. Wir wissen nie, wie weit das Publikum lesen wird. Im eigentlichen Text gilt es darum, Wichtiges vor Unwichtigem zu behandeln. Damit ist es wahrscheinlicher, dass ein Leser die Dinge liest, die uns wichtig sind.
Ein Text ist dann reizvoll, wenn er logisch aufgebaut ist. Ein Satz muss logisch an den vorangehenden Satz anschliessen, ein Absatz an den vorangehenden Ansatz. Wir laden den Leser zum Mitdenken ein, wenn wir unsere Gedanken lückenlos vor seinen Augen entwickeln. Gedankensprünge erschweren dieses Mitdenken.
Wir wollen unser Publikum aber nicht nur zum Mitdenken, sondern zum selbständigen Denken anregen. Das erreichen wir, indem wir es auf Widersprüche und andere Meinungen und Sichtweisen aufmerksam machen.
Die Zeit und Energie unserer Leser ist wertvoll. Wir zeigen ihnen unseren Respekt, indem wir uns kurz fassen. Das bedeutet, dass wir keinen unnötigen Absatz im Text, keinen unnötigen Satz im Absatz und kein unnötiges Wort im Satz belassen. Ein Buch, das uns ein Thema auf 50 Seiten umfassend nahe bringt, ist viel wertvoller, als eines, das für das selbe Ergebnis 300 Seiten nutzt.
Wortwahl
Wir erschweren Lesern das Verstehen unseres Textes, wenn wir ohne Notwendigkeit Fremdwörter, Fachbegriffe oder Umgangssprache verwenden. Müssen wir das deutsche “Ablenkung” wirklich durch das Fremdwort “Distraktion” ersetzen? Für den Autor kann das Ausdruck des eigenen Stils sein, aber für den Leser ist es anstrengend.
Wir machen es unserem Publikum leichter, uns zu folgen, indem wir übersichtliche Satzkonstruktionen benutzen. Subjekt und Prädikat (Verb) sollten nah beieinander stehen. „Er kam nach Bern.“ ist klarer als „Er konnte nach einer langen Fahrt und vielen Umstiegen endlich die Stadt Bern mit ihrer historischen Altstadt und dem Fluss Aare begrüssen.“ Natürlich verliert der Text durch die klare Aussage an Poesie…
Satzstellungen, die zu Missverständnissen führen können, vermeiden wir. Bei „Die Sportler spornen die Trainer zu Höchstleistungen an.“ ist nicht klar, wer wen anspornt. Der Leser muss noch eine Transferleistung bringen, um die Handelnden richtig zuzuordnen.
Mit Metaphern und Gleichnissen laden wir den Leser zu einer Reise in seine eigene Vorstellung ein. Der Reiz dieser Reise ist grösser, je ungewohnter die Metapher oder das Gleichnis ist. Deswegen sollten wir die Bilder vermeiden, die wir ständig lesen (zum Beispiel “schneeweiss”). Stattdessen können wir diese als Inspiration verwenden, sie Anpassen und Weiterentwickeln.
Wir müssen unsere sprachlichen Möglichkeiten kennen und uns in deren Grenzen bewegen. Verlassen wir dieses Terrain, wirken unsere Texte unnatürlich und schlimmstenfalls unverständlich.
Dynamik
Wir nutzen aktive Sprache, um einem Text Dynamik zu verleihen. Bei „Der Fahrer beschleunigt.“ (aktiv) gibt es klar einen Handelnden, jemanden, der Verantwortung trägt. Schreiben wir stattdessen „Das Fahrzeug wurde schneller.“ (passiv) ist unklar, wer handelt.
Auch wir als Autoren übernehmen Verantwortung. Unsere Aussagen mit „vielleicht“, „möglicherweise“, „häufig“ oder ähnlichen Begriffen zu relativieren, erspart uns zwar einen Teil der Verantwortung für das, was wir schreiben. Andererseits verwässert es unsere Aussage und verringert die Kraft unseres Textes.
Wir können alle Sätze gleich lang gestalten. Doch dann wirkt der Text eher monoton. Ohne Variationen strengt uns das Lesen an. Wenn wir dagegen eine elegante Satzkonstruktion bauen, die den monotonen Fluss auflockert, gewinnt der Text an Dynamik. Wir wechseln kurze mit langen und mittellangen Sätzen ab. Das besiegt die Monotonie.
Abschliessendes
Ich setze es als selbstverständlich voraus, dass wir Grammatik und Rechtschreibung beherrschen. Hat unser Text hier grobe Schwächen, erschwert es den Zugang.
Dieser Eintrag besteht im Kern aus rund 550 Wörtern. Die beiden unten vorgestellten Bücher zeigen 22 Regeln (Ivo Hajnal und Franco Item) beziehungsweise 50 Werkzeuge (Roy Peter Clark) für bessere Texte und haben insgesamt knapp 550 Seiten. Dementsprechend ist dieser Artikel nur ein Appetithappen für den Einstieg in das Thema. Ich empfehle jedem diese beiden Bücher zur weiter gehenden Lektüre. Es macht Spass, sie zu lesen. Beide sind sehr schön geschrieben und laden mit Beispielen und Workshops zum Mitdenken und Mitarbeiten ein.
Ich habe mich in diesem Artikel – im Rahmen meiner Möglichkeiten – an die hier beschriebenen Prinzipien gehalten. Ich hoffe, Sie mit diesem Text erreicht und angeregt zu haben.
Bücher:
- Das Buch „Schreiben und Redigieren – auf den Punkt gebracht: Das Schreibtraining für Kommunikationsprofis
“ von Ivo Hajnal und Franco Item: Dieses Buch behandelt auf sehr anschauliche Weise die Regeln für gute Texte. Beide Autoren kommen aus der Schweiz. Das Buch hat somit einen direkten Bezug zur deutschen Sprache. Viele (Negativ-)Beispiele zeigen anschaulich, welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte.

- Das Buch „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben – Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter
“ von Roy Peter Clark: 50 sehr anregende Ideen, mit denen man den eigenen Schreibstil verbessern kann. Das Buch ist als Workshop ausgelegt. Zu jedem Werkzeug gibt es Übungen, mit denen man den Inhalt vertiefen kann. Allerdings ist die deutsche Übersetzung etwas holprig. Wer problemlos englische Bücher lesen kann, dem empfehle ich das Original („Writing Tools: 50 Essential Strategies for Every Writer
“). Roy Peter Clark ist Vizepräsident des Poynter Institute, einer grossen amerikanischen Journalistenschule.

Links:
- Homepage der Schweizerischen Text Akademie: Auf dieser Seite finden Sie weitere Beispieltexte zum Buch von Ivo Hajnal und Franco Item. Ausserdem bietet die Textakademie auch Seminare und Ausbildungen zum Thema “Schreiben” an.
- „Roy’s Writing Tools“ Podcast: Ein kostenloser Podcast zum Buch von Roy Peter Clark bei iTunesU (englisch).
- Das Blog „Writing Tools“ von Roy Peter Clark / Poynter Institute: Roy Peter Clark veröffentlicht hier Tips und Tricks für Journalisten und Texter.
- Das Blog „writetodone – unmissable articles on writing“ von Leo Babauta und anderen: Die Autoren veröffentlichen hier zwei mal pro Woche Artikel zum Thema “Schreiben” (englisch).